Jasmin Hollemans – Interieur Shopping, Lemgo

Wir treffen uns an einem Freitagnachmittag in Jasmins neuem Lager in Lemgo. Langsam erkennt man eine gewisse Struktur, die aus einer scheinbar unüberschaubaren Menge von Kartons und Paletten wächst. Von hier organisiert Jasmin Hollemans ihre Aufträge – Stylingprojekte in ganz Europa – und ab sofort auch ihren neuen Online Shop. Der Sinn mancher Objekte erschließt sich erst auf den zweiten Blick, aber das ist wohl das Geheimnis des Erfolges: Außergewöhnliche Dinge, oft auch aus außergwöhnlichen Materialien. Man möchte am liebsten die Heckklappe öffnen und einladen...

Jasmin Hollemans stammt aus Bad Salzuflen und hat in den Vogelsänger Studios Styling gelernt. Seit 2000 ist sie selbständig und arbeitet für Kunden in Deutschland und Europa. Vor kurzem eröffnete sie ihren Online Shop jasmin hollemans interieur shopping.

Jasmin Hollemans Interieur Shopping
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Jasmin Hollemans – Das Interview

Wie bist du auf die Idee mit dem Shop gekommen, warum liegt der Schwerpunkt im Online Verkauf?
Zu Messezeiten stand mein Telefon nicht still. Jasmin, ein Kunde fragt, wo er die edle Vase aus Koje 5 kaufen kann. Frau Hollemans, Sie müssen uns unbedingt verraten, wo dieses bezaubernde Tassen-Set zu erwerben ist, und bitte, wie komme ich an die Stühle? Woher bekommen Sie nur immer diese außergewöhnlichen Accessoires? In welchem Laden kann ich das kaufen? Mit diesen Fragen war ich oft überfordert; manche Dinge evt. in den großen Metropolen, aber Adressen? Und letztes Jahr war aus dem Nichts auf einmal der Gedanke da. Manche Dinge liegen so klar auf der Hand, dass man Sie nicht sieht. Natürlich! Ein Online Interieur Shop für die besonderen Dinge des Lebens. Die Idee war geboren.

Du bist eigentlich Stylistin, warum jetzt der Shop?
Beides macht mir unglaublich viel Freude. Für beides bin ich auf der ständigen Suche nach etwas Neuem, Besonderen. Irgendwie geht das so Hand in Hand. Bislang war es für mich nur sehr enttäuschend, alles nur einmal für ein Möbelhaus oder eine Messe zu erwerben. Nun gibt es die Möglichkeit, andere Menschen mit teilhaben zu lassen und ihr zu Hause zu verschönern. Das ist doch Grund genug, findest du nicht? Mir liegt es absolut am Herzen, die eigenen 4 Wände so individuell wie möglich zu gestalten. Das Zuhause sollte doch der schönste Ort der Welt sein, an dem man gerne ist, gerne lebt, sich wohl fühlt. Dabei bin ich gerne behilflich. Natürlich möchte ich auch irgendwann einen Teil meines Lebensunterhaltes damit bestreiten.

Was für eine Ausbildung hast du?
Ich bin offiziell gelernte Schauwerbegestalterin, so nannte man das zu meiner Zeit noch. Wobei es Interieur Stylistin heißt, wenn man in einem Fotostudio gelernt hat. Und das ist bei mir der Fall. Eine ganz klassische Ausbildung, in den Vogelsänger Studios, einem Großraum-Atellier, das sich auf die Fotografie von Wohnsituationen spezialisiert hat. Danach habe ich in verschiedenen Studios in Festanstellung gearbeitet, im Jahr 2000 habe ich mich dann selbständig gemacht.

Woher nimmst du die Ideen für deine Stylingkonzepte?
Ganz unterschiedlich. Als erstes schau ich natürlich auf das Produkt. Dann kommen die Wünsche des Kunden dazu. Ich kann es gar nicht richtig erklären. Ich sehe das Objekt und fühle einfach, wie man es am schönsten präsentieren kann. Es gibt natürlich immer ganz verschiedene Möglichkeiten. Auch die Aufgabengebiete unterscheiden sich erheblich. Ob ich zum Beispiel eine Fotoproduktion begleite, selbst eine redaktionelle Fotostrecke konzipiere oder ein Möbelhaus dekoriere, die Anforderungen sind immer ganz unterschiedlich. Da ich beruflich in sehr viele Länder reise, bekomme ich natürlich auch viel zu sehen, sei es nun das Land oder eine Messe. Ausländische und natürlich inländische Wohnzeitschriften sauge ich regelrecht auf. Und dann kommen da noch 25 Jahre Berufserfahrung dazu. Wenn man all diese Zutaten nimmt und ordentlich schüttelt, kommt wie von selbst eine Idee nach der anderen.

Wie hat sich dein berufliches Leben nach der Ausbildung und während deiner Selbständigkeit verändert?
Ich habe immer gerne gearbeitet. Schon in den Jahren der Festanstellung hatte mein Arbeitstag auch gerne mal 12 Stunden. Mit den richtigen Kollegen und einer riesigen Portion Humor und Kreativität war das fast Entspannung. Damals hatte ich allerdings einen tollen Chef, der mich über mehrere Jahre für ein paar Monate im Jahr beurlaubt hat und mir die Möglichkeit gab, meiner Reiselust nachzugehen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Das hat sich natürlich geändert. 2 Wochen im Jahr mache ich Urlaub. Herumumreisen darf ich jetzt auch beruflich, habe nur den Rucksack gegen einen Koffer getauscht- und die 5-Tage-Woche dauert auch mittlerweile fast 7 Tage.

Wie sieht deine Zusammenarbeit mit Kollegen aus, Thema Netzwerk?
Fantastisch. Es war schon immer mein Wunsch, mich mit Menschen zu umgeben, mit denen ich mich fachlich und menschlich auf Augenhöhe bewege. Oder besser gesagt: Wenn man sich gegenseitig mit Humor, Herzenswärme, Kreativität und Organisationstalent gemeinsam bereichert und so große Aufträge bewältigt. Ich denke, das dieses Konzept auch unseren Erfolg ausmacht. Zu meinem Netzwerk gehören Stylistinnen/Stylisten, Fotografinnen/Fotografen, Grafiker und Innenarchitekten..

Es herrscht die öffentliche Meinung, Stylisten machen alles einfach schön. Wie sieht die Realität aus?
Wir wandeln nicht verträumt durch die Räume und stellen ein paar hübsche Vasen hin, dieses Vorurteil ärgert einen schon. Jeder der mich an einem normalen Messetag oder Shoppingtag begleitet hat und nicht vom Fach ist, verwirft spätestens nach einem 10-14- stündigen Arbeitstag diese doch sehr romantische Vorstellung. Um mich da nicht falsch zu verstehen, ich liebe meinen Job über alles. Aber man muß dem Termindruck standhalten, verschiedene Aufträge und Bestellungen koordinieren, bei z.B. 140 Küchen nicht den Überblick zu verlieren, vor allem nicht seine Nerven. Jede Küche hat ihr eigenes Thema. Das heißt, ich erarbeite vorher ein Konzept, dann werden die Bestellungen geordert: Töpfe, Teller, Gläser, Schalen, Pflanzen, Obst und Gemüse etc. Für die besonderen Accessoires fahre ich immer ins Ausland. In den Beneluxländern finde ich die schönsten und außergewöhnlichsten Dinge. Mein Anspruch ist, auch bei 140 Küchen jeder ihren verdienten Charme zu geben  - oder besser gesagt zu unterstreichen. Dann muß alles termingerecht ankommen, ausgepackt, verteilt und in Szene gesetzt werden. Logistisch darf da kein Fehler passieren. Das ist alles kein Problem, ist ja mein Job. Nur einfach nur schön machen ist es halt nicht.

Wie sehen deine nächsten fünf Jahre aus?
Ich würde mir wünschen, noch mehr außergewöhnliche, skurrile, aber auch liebevolle Accessoires zu entdecken und in meinem Shop zu verkaufen. Schön wäre, wenn Interieur Shopping bei meinen Kunden zu einem Namen geworden ist, der in einem Atemzug mit ganz besonderer Highlightdeko genannt wird und für absolute Verlässlichkeit steht. Ansonsten werde ich hoffentlich nach wie vor in dieser schönen Welt herumreisen, um als Interieur Stylistin zu arbeiten, Menschen kennenlernen, uns gegenseitig – auch kreativ – bereichern und anderen die Möglichkeit zu geben, die von mir entdeckten schönen Dinge auch zu besitzen und bei mir zu kaufen.