Margita Poole – zauber des augenblicks, Lage

Ein fruchtbarer Frühsommerregen begleitet mich nach Lage-Heiden. Passend zum floralen Thema. Hier lebt und arbeitet Margita Poole und schafft immer wieder einen zauber des augenblicks.

Schön grün ist es hier, die Katze schläft friedlich und wir verlegen wegen des Regens Margitas Arbeitsplatz einfach nach innen. Sie arbeitet gerade an einem aufwändigen Werkstück für eine Urnen-Dekoration.

Einige Tage später fahren wir gemeinsam nach Bielefeld, wo Margita das Werkstück in einem Raum für Abschied und Erinnerung aufstellt. Ein harmonisches Miteinander der Elemente Florales, Urnengefäß und Raum entsteht.

Lesen Sie bitte das Interview unten.

Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks
Margita Poole – zauber des augenblicks

Margita Poole – Das Interview

Margita, woran arbeitest du zurzeit?
Meine Projekte sind ganz unterschiedlicher Natur. Ich bereite florale Standdekorationen für verschiedene Messen im Herbst und Winter vor. Gerade habe ich für ein Unternehmen ein florales Konzept erstellt, das ihre corporate identity nach außen transportiert – sehr spannend! Und im Privatkundenbereich begleite ich einige Hochzeiten und Trauerzeremonien. Mein Anspruch ist, jedem Anlass individuell gerecht zu werden und dem Betrachter mit meinen floralen Botschaften neue Möglichkeiten zu eröffnen.

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?
Ich bin Quereinsteigerin. Schaut man aber genau hin, ist meine jetzige Tätigkeit eine konsequente Weiterentwicklung meines Erstberufes.

Ich glaube, dein beruflicher Werdegang ist sehr farbig. Erzähl uns etwas daraus.
Ja, ich hatte das große Glück, zum Ende der Schulkarriere genau zu wissen, was ich werden wollte: Fremdsprachenkorrespondentin. In vier Sprachen unterstützte ich internationale Unternehmen im Tagesgeschäft und Marketing. Ich habe auf vielen Reisen und Konferenzen übersetzt und gedolmetscht.1985 ging die ganze Familie nach Südafrika. Mein Mann trat dort einen neuen Job an. Ich tauchte vollends in die englische Sprache ein und war während der gesamten sieben Jahre in Südafrika aktives Mitglied im Floral Art Club. Dort habe ich systematisch gelernt, Blumen nach künstlerischen Gesichtspunkten zu gestalten. Wie im Design die Form der Funktion folgt, so folgt bei Floral Art die Technik der kreativen Idee. Beruflich habe ich mich also weiterentwickelt, von einer Kommunikation mit Worten zu einer grenzüberschreitenden, non-verbalen Ausdrucksform.

Konntest du das immer mit deinem privaten Leben vereinbaren? Du hast ja auch Mann und Kinder.
Das ist eine ständige Gratwanderung, bei der mein Talent zum Optimieren voll zum Einsatz kommt. Da ich die Dinge immer ganzheitlich angehe, bin ich überzeugt, dass das Private die Basis des Geschäftlichen ist.

Ist deine Arbeit immer individuell oder gibt es auch Routinen?
Nein, Routinen gibt es nicht. Zum einen ist das Material in seiner natürlichen, nicht durch Züchtung manipulierten Form absolut einzigartig. Genauso einzigartig sind meine Kunden und ihre Aufträge. Der Kontext, in dem meine floralen Dekorationen entstehen, ist immer anders, immer sehr individuell. Dabei geht es mir um die Dinge hinter den Dingen. So kann eine scheinbar normale Firmenhistorie zum Juwel werden.

Woher nimmst du deine Ideen? Gibt es kulturelle Einflüsse wie Kunst, Musik oder Literatur?
Meine Dekorationen sind nie bloßer Trend, sie erfassen den Zeit-Geist. Und mit den Ideen ist es genau andersherum. Ich nehme sie nicht, sie kommen zu mir. Ein wichtiger Teil meiner täglichen Arbeit besteht darin, diszipliniert die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Inspiration fließen kann. Meine Lehrmeisterin ist die Natur.

Du warst einige Jahre im Ausland. Welche Einflüsse hast du von dort mitgebracht?
Ich habe gelernt, offen zu sein für Neues, und ganz klar trage ich die unwiderstehliche Natur und Mentalität Südafrikas in mir. Sie reißt mich mit. Die Menschen dort haben Sonne im Herzen und leben Leichtigkeit. Genau das macht uns auch die Natur vor: mit Leichtigkeit zu arbeiten!

Deine floristische Arbeit ist natürlich einer Vergänglichkeit unterworfen. Wie siehst du das?
Da möchte ich mit Goethe antworten: ‚Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.‘

Arbeitest du überwiegend allein?
Ja. Da ich die Eindrücke beim Kunden aufnehme, können sie auch nur von mir übersetzt werden. Sonst ist es nicht ‚zauber des augenblicks‘.

Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?
Als Bewegungsmensch liebe ich körperliche Aktivität und genieße ausgiebig das kulturelle Angebot unserer Region, mit Schwerpunkt Hören. Das ist sehr wertvoll für meine Arbeit, da der Hörsinn viel tiefer geht als das Sehen. Bücher und ausgesuchte Fortbildungen stillen meine angeborene Neugierde.

Gibt es gesellschaftliche Aktivitäten?
Ich bringe regelmäßig Blumen in das stationäre Hospiz in Detmold. Dies ist für mich ein inspirierender Ort. Das Pflegepersonal hat Rückgrat. Und immer wieder wird mir dort klar, wie wichtig es ist, bewusst zu leben. Sehr schön hat das mal ein Managementtrainer ausgedrückt: ‚Wenn ich einen Kandidaten habe, der seine Gewohnheiten partout nicht ablegen will, bleibt nur noch eine Frage: Was würdest du heute tun, wenn du morgen stirbst?‘ Neben meiner ehrenamtlichen Arbeit für das Hospiz dekoriere ich alljährlich ein Benefizkonzert in meinem Heimatort.

Wo möchtest du in fünf Jahren stehen?
Jedes Jahr schreibe ich meine Vision und halte Rückschau. Die ernsthafte Definition eines 5-Jahres-Zieles empfinde ich jedoch als eine Kopfgeburt. Denn so schnell wie der Flieder dieses Jahr verblüht ist, so rasant sind die Entwicklungen um uns herum. Vielmehr ist es der Zauber des Augenblicks, der mir den nächsten Schritt zeigt.