Silvia Scholz – Innenarchitektur

Ein wunderschöner Sommertag in Detmold-Pivitsheide. Hier arbeitet Silvia Scholz. Sie arbeitet hier aber nicht nur, sie lebt hier auch mit ihrer Familie.

Ich komme in ein Büro mit Ausblick und Tür in den Garten, das Haus ist von Wein umrankt. So lässt es sich aushalten. Aber der Schein soll nicht trügen, hier wird gearbeitet. Die digitale und analoge Welt (in Form einer Zeichenmaschine) begegnen sich, es gibt Mengen an Fachliteratur, Plakaten, Bildern, Matrialsammlungen, Stiften – ein ungemein inspirierendes Umfeld. Nebenan im großen Aquarium ihres Mannes ziehen exotische Fische ihre Kreise. Da fällt es nicht schwer, Fotos zu machen.

Später fahren wir zu Silvias Kunden Anja und Martin. Hier müssen noch einige abschließende Dinge besprochen werden. Silvia hat das Haus aus Familienbesitz umgeplant.

Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
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Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
Silvia Scholz – Innenarchitektur
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Silvia Scholz – Das Interview

War es immer dein Wunsch, Architektin zu werden?
Na ja, zumindest habe ich mich sehr früh mit Räumen, Häusern und Hütten auseinandergesetzt. Ungefähr mit 12 Jahren habe ich angefangen, Häusergrundrisse zu zeichnen. Und immer gab es eine Rutsche von den Kinderzimmern ins darunter liegende Geschoss, in ein schönes, großes Schwimmbecken.

Wie war dein Werdegang? Lief das alles glatt oder gab es Umwege?
Das lief alles ganz glatt, vielleicht sogar zu glatt! Seit der 11. Klasse im Gymnasium wusste ich, dass es einen Beruf gibt, der mein Interesse an Ideen für Räume und Häuser und für das Zeichnen und Malen vereinigte. Ich wollte Innenarchitektin werden. Nach einem ganz ordentlichen Abitur im Mai, habe ich das geforderte Tischlerpraktikum absolviert und im September angefangen, in Detmold Innenarchitektur zu studieren.
Im Nachhinein betrachtet hätte es auch ganz gut getan, sich mehr Zeit zu nehmen – für weitere Praktika in anderen Handwerken oder sogar einer Ausbildung in einem Handwerksberuf. Aber ich konnte es nicht abwarten, endlich meinen Traumberuf zu erlernen. Einige geplante Umwege bin ich dann nach dem Studium gegangen, mit einem 6-monatigen Aufenthalt in Florenz und dortigem Arbeiten in dem Architekturbüro „Superstudio“. Auch nach 2 Jahren als angestellte Innenarchitektin habe ich mich wieder auf den Weg gemacht, um zusammen mit einer amerikanischen Freundin die USA zu bereisen.

Wie gehst du an eine Arbeit? Hast du gleich Bilder im Kopf oder entsteht das eher langsam?
Ja, ich habe häufig sehr schnell Bilder im Kopf, versuche sie aber erstmal nicht zu sehr zu beachten. Ich beschaffe mir so viele Informationen wie möglich zu meinem Projekt, befrage meine Auftraggeber, mache Fotos, schaue mir die Darstellung des Unternehmens an. Dann skizziere ich meine ersten Ideenansätze, meist per Bleistift in kleine Skizzenbücher. Danach ruht das Projekt möglichst ein paar Tage und ich arbeite an anderen Sachen. In dieser Zeit sammele ich, fast zwangsläufig, weiter Einflüsse aus Medien, Büchern, Filmen, meiner Materialsammlung und im Alltag. Das neue Projekt geht mir dann immer wieder durch den Kopf. Danach kann ich mich hinsetzen und die Ideen zügig ausarbeiten.

Ist die Umsetzung immer gleich? Ich frage, weil du hier unterschiedliche Möglichkeiten – vom Rechner bis zur Zeichenmaschine – hast.
An der Zeichenmaschine arbeite ich nicht mehr so oft. Die meisten Pläne und Entwürfe entstehen in meinen beiden CAD-Programmen. Aber ich habe eine besondere Liebe zum perspektivischen Zeichnen und wenn es um Projekte mit Dekoration oder weichen Stoffen geht, dann lässt sich das mit einer handgezeichneten und kolorierten Perspektive einfach viel besser darstellen. Viele Menschen mögen diese Handzeichnungen auch lieber als die etwas blutleeren Computer-Renderings.

Wie schätzt du unterschiedlichen Entwurfsmöglichkeiten – analog oder digital – ein?
Die Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung eines Projektes sind rasant und es ist fast nicht möglich da immer mitzuhalten. Man kann nicht nur den Entwurf fast fotorealistisch darstellen, sondern die Möglichkeit der digitalen Bearbeitung von Materialien, sprich CNC-Technik, und die digitale Projektsteuerung sind weitere wichtige Komponenten, die den Entwurfsprozess beeinflussen und verändern können. Die Entwurfsidee aber entsteht trotzdem immer noch im Kopf. Und ich glaube, es wird keinen Entwerfer geben, der nicht doch immer einen Stift in der Tasche hat, um plötzliche Eingebungen zu skizzieren. Und sei es auch ein Stift für das Skizzenprogramm auf seinem Tablet.

Du hast sehr schöne Materialsammlungen. Welche Rolle spielen diese?
Ja, sie sind eine Inspirationsquelle. Ich hole sie oft heraus, wenn ich ein neues Projekt beginne, befühle sie, lege sie nebeneinander, hole Farbkarten dazu und Fotos die zum Thema passen. Vielleicht ist es die Gegenreaktion zu dem sehr glatten Computerbildschirm an dem die Ideen dann gezeichnet werden. Ich bin auch nicht alleine mit diesem Interesse an schönen und ungewöhnlichen  Materialien. Es gibt inzwischen einige Materialbibliotheken. Firmen die weltweit konfektionierte Materialien sammeln, beschreiben, bewerten und die Daten ihren Nutzern zur Verfügung stellen.

Wie wichtig ist das haptische Erleben, das Fühlen?
Sehr wichtig. Das Fühlen ist eine weitere Dimension um einen Raum zu erleben. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Stoff kühl und seidig, warm und weich, oder gar kratzig ist. Der Kontrast zwischen harten und weichen Materialien, warmen und kühlen Oberflächen, ist eine wichtige Möglichkeit zu gestalten.
Mein Lieblingsmaterial ist zurzeit flächig einsetzbares Moos. Es ist weich und feucht-kühl. Ein überraschendes haptisches Erlebnis! Ich hatte vor einigen Wochen das Glück, es für eine Ausstellungsausstattung einsetzen zu können. Es sind Mooskuben und große, frei hängende  Moostafeln entstanden. Ein schöner Kontrast zum Gebäude und zu gut geformten Polstermöbeln und sie betonen das Thema: „Natur und Design“.

Denkst du darüber nach, dass deine Arbeit einen langen Bestand hat in Bezug auf deine eigene Leistung? Das Wort „Nachhaltigkeit“ bekommt dann eine persönliche Bedeutung.
Wenn ich z.B. einen Messestand gestalte, dann denke ich darüber eher nicht nach, denn dabei kommt es darauf an, ein Produkt, bzw. die Herstellerfirma dem Messepublikum prägnant und überzeugend vorzustellen und dabei einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ohne die notwendigen Funktionen des Standes einzuschränken.
Wenn ich Wohnhäuser, Hotels, Gasträume, Arbeitsplätze, Konferenzräume oder andere dauerhafte Räume plane, ist da natürlich immer der Gedanke das Planung und Materialien dauerhaft sein sollten. In der Regel wird ja auch nur dann umgestaltet, wenn Gebäude und Räume geänderte Funktionen bekommen sollen. Aber es gibt auch viele innenarchitektonische Aufgaben, die den Schwung des Zeitgeistes benötigen und deshalb nicht auf so lange Zeit angelegt sind wie Hochbauarchitektur.

Wie wichtig ist dir deine eigene Zufriedenheit mit einem Arbeitsergebnis? 
Was für eine Frage? Natürlich ist mir das sehr wichtig. Aber neben der grundlegenden Idee und der Umsetzung meines Entwurfes, ist mir auch besonders wichtig, dass der Auftraggeber sich in dem Projekt wiederfindet, dass der Unternehmer seinen Präsentationsraum oder Messestand optimal nutzen kann, oder der private Bauherr sich in seinem Haus wohl fühlt und seine Wünsche und Träume in den umgebauten Räumen verwirklicht sieht. Das Optimum ist also das gute Zusammenspiel zwischen mir und meinen Ideen als Architektin und dem Auftraggeber mit seinen vielfältigen Vorstellungen und Wünschen.

Du hast hier Bilder aus deiner Heimat, dem östlichen Ruhrgebiet. Hat das auch heute noch Einfluss auf deine Arbeit?
Ich bin in einer kleineren Industriestadt aufgewachsen. Mein Vater war Koksmeister, also Schichtführer in der Koksproduktion. Die Beschreibungen seiner Arbeitsstätte haben mich als Kind sehr fasziniert. Ich wäre nur allzu gerne einmal mitgegangen. Das durfte ich aber leider nicht. Daher rührt wohl meine Begeisterung für alte und neue Industrieanlagen. Von denen gibt es im Ruhrgebiet ja genug. Ich habe in solchen Anlagen fotografiert und einige Motive malerisch umgesetzt. Ich glaube auf meine Arbeit hat das eher weniger Einfluss, außer dass ich Konstruktionen mag und sie deshalb auch gerne mal sichtbar lasse. Liebend gerne würde ich ein Projekt in einem alten Industriegebäude umsetzen.

Dein Büro ist in eurem (natürlich von dir entworfenen) Haus. Wie trennst du Arbeit und Privatleben?
Das muss ich gar nicht trennen. Ich arbeite sehr gerne und wenn ich mit einem Entwurf oder einer anderen Aufgabe beschäftigt bin, dann bin ich so konzentriert, dass ich nicht höre was außerhalb meines Büros geschieht. Der Bürobereich ist natürlich getrennt vom Rest des Hauses und zwischendurch genieße ich es durchaus raus in den Garten zu gehen, oder auf der Terrasse einen Tee zu trinken und auf meine Familie zu treffen.

Wie sieht das deine Familie?
Das wird so akzeptiert. Man stört mich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Womit beschäftigst du dich, um Abstand von der Arbeit zu bekommen, oder neue Inspirationen?
Um Abzuschalten koche ich gerne, mache Sport und ich singe engagiert bei JAM, dem Detmolder Jazzchor. Das macht mir wirklich sehr viel Spaß! Außerdem beschäftige ich mich mit Malerei und Collagetechniken. Ich besuche häufig Ausstellungen verschiedenster Art und schaue mir auf Reisen, aber auch hier in der Gegend, z. B. am Tag des offenen Denkmals, alte und neue Gebäude an. Architektur ist ja auch immer eine Leidenschaft, die sich durch das komplette Leben zieht. Zum Glück ist mein Mann dafür offen und interessiert und meistens machen wir solche Sachen gemeinsam.

Was möchtest du gern einmal machen, hast es aber noch nicht?
In meiner Laufbahn als Innenarchitektin habe ich zwar schon viele verschiedene Dinge planen dürfen, darunter Umbauten von Wohnhäusern, hochwertig ausgestattete Privatwohnungen, Ferienhäuser, Clubräume für Pferderennbegeisterte, Verwaltungsgebäude aber vor allem auch Präsentationsräume wie Showrooms und Messestände für z.B. Kleidung, Möbel, Wand- und Bodenbeläge.
Da ich gerne reise wäre ich sehr glücklich, einmal die Innenarchitektur für ein Hotelprojekt zu planen. Das Wohnen auf Zeit, die Gastlichkeit und auch die Funktionsfähigkeit eines Hotels und auch des Hotelzimmers an sich interessieren mich. Die Wahl von Materialien und Farbkombinationen für die verschiedenen Bereiche erwecken bei mir Leidenschaft und die Zusammenarbeit mit den anderen technischen Gewerken wie Hochbauarchitektur, Lüftung, Elektrik, Gastroküchenplanung usw. wäre spannend. Ja, das würde ich mir wirklich wünschen. Am liebsten sogar ein Themenhotel oder ein Ferienhotel, aber da bin ich letztlich offen.