Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik, Detmold

Mittwochmorgen in der historischen Altstadt von Detmold. Umgeben von Cafés und schönen, inhabergeführten Geschäften (um die Ecke ist die Goldschmiede Friemel) liegt das Haus der Musik von Wolfgang Meyer-Johanning.

Wie immer ist Wolfgang voller Energie, erzählt vom Umbau des Geschäfts und seiner musikalischen Vergangenheit und Gegenwart. Ihm sei die Neustrukturierung wichtig gewesen. Die Instrumente sind unten, da wird schon mal probiert oder getestet, was naturgemäß mit Geräuschen verbunden ist. Oben sind die Noten, für deren Auswahl der Kunde gerne etwas Ruhe braucht. Eine perfekte Lösung.
Aber auch die neuen Medien und ihre Vertriebswege spielen eine Rolle.

Lesen Sie hierzu das Interview unten.

Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik
Wolfgang Meyer-Johanning – Haus der Musik

Wolfgang Meyer-Johanning – Das Interview

Wolfgang, wie würdest du deinen Beruf nennen?
Offiziell heißt mein Beruf „Musikalienhändler“. Ich würde mich aber eher als Problemlöser, Unterstützer und Helfer in Sachen Musik bezeichnen.

Welche beruflichen Wege hast du genommen?
Ich bin schon sehr früh mit meinem eigentlichen Hauptinstrument, der Bratsche, im Orchester gelandet. Mit 16 Jahren habe ich parallel zur Schule am Landestheater Detmold als feste Aushilfe angefangen. Nach dem Abitur und zehn Jahren Orchester- und Bühnenarbeit, habe ich dann eine Ausbildung als Musikalienhändler gemacht. Die Arbeit im „musikalischen Hintergrund“ war ein wichtiger Wendepunkt und hat mir damals sehr gut getan. Nach ein paar Semestern BWL-Studium parallel zur Arbeit im damaligen Ausbildungsbetrieb habe ich mich dann im Jahre 1998 selbständig gemacht und das Haus der Musik - musikalienhandel.de gegründet.

In deiner Kindheit und Jugend hast du auch schon viel Kontakt zur Musik gehabt. Erzählst du uns etwas darüber?
Ich bin in einer musikalischen Familie aufwachsen. Mein Vater war Pastor und wir haben deswegen förmlich in der Kirche gewohnt. Ein Blechblasinstrument wurde uns in die Wiege gelegt und so habe ich mit meinen Geschwistern - wir sind 8 Kinder - jeden Sonntag Musik gemacht. Wir konnten direkt vom Frühstückstisch durch die Sakristei auf die Empore der Kirche gehen. Also quasi aus dem Bett direkt ohne Umwege auf die sakrale Bühne ***lacht***.

Wie man an den Fotos sieht beherrschst du viele Instrumente. Aber die Gitarre ist dein Schwerpunkt?
Gestartet sind wir alle mit einem Blechblasinstrument, bei mir war es die Posaune. Mit ungefähr 10 Jahren habe ich dann mit der Geige/Bratsche begonnen und mit 12 Jahren hat mich ein brasilianischer Gitarrist für die Gitarre begeistert. Von ihm habe ich damals die ersten Akkorde gelernt. Ach ja, Klavierunterricht gehörte bei uns zuhause natürlich auch zur Ausbildung. Da bin ich aber kläglich gescheitert. War einfach nicht meine Welt…
Mein musikalischer Schwerpunkt war immer das Bratsche spielen. Nach meiner Theaterzeit habe ich aber fast alle Instrumente verkauft und ganz mit dem Spielen aufgehört. Die Gitarre ist irgendwie übrig geblieben und seit 5 Jahren bin ich damit wieder aktiv.

Spielst du in unterschiedlichen Formationen oder Projekten?
Wieder aktiviert zum Musizieren hat mich ein wichtiger Mensch, der kanadische Posaunist Shawn Grocott, der seit vielen Jahren in Demold lebt. Er hat mir sehr geholfen das aktive Musizieren wieder in mein Leben zu bringen. Unser Duo „Shawn & the Wolf“ besteht nun seit 5 Jahren und ist nun auch meine musikalische Heimat geworden. Manchmal erweitern wir die Besetzung noch mit Gesang, was mir immer viel Freude bereitet (Infos unter: www.shawnandthewolf.de).

Welche musikalischen Projekte stehen in naher Zukunft an?
Ich bin gerade von einer kleinen Tournee aus Albanien zurückgekehrt. Dort haben wir auf einem internationalen Jazz Festival in Tirana gespielt. Es war ein wunderbares Erlebnis und es ist auch ein großes Geschenk, mit der Musik andere Länder, Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Das ist eine wirklich schöne Erfahrung und dies möchte ich unbedingt weiter machen.

Das „Haus der Musik“ in Detmold ist mittlerweile eine feste Größe im Stadtbild. Wie siehst du euch hier positioniert?
Detmold ist einfach eine wunderbare Stadt und der optimale Standort für das Haus der Musik. Durch die Hochschule für Musik, das Landestheater, viele Musikschulen im Umkreis und natürlich weiteren Institutionen, gibt es im Vergleich zur Einwohnerzahl fast schon ein musikalisches Übergewicht (im Positiven gedacht). Es gibt so viele Möglichkeiten von hier aus zu agieren. Übrigens: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich das Haus der Musik „groß“ gemacht habe. Das haben eigentlich unsere Kunden zu einer festen Größe gemacht. Wir kümmern und sorgen uns nur um unsere Kunden. Der Rest geschieht von selbst.

Ihr habt im Frühjahr hier einiges umgestaltet. Es wirkt jetzt klarer strukturiert. War das euer Ziel?
Yep, das sagt eigentlich schon alles. Weniger ist Mehr! Klare Strukturen und weiter spezialisieren.

Welche Schwerpunkte gibt es in eurem Musikhandel?
Ein wichtiger Schwerpunkt ist unsere Notenabteilung mit dem Notenversand. Dann die akustischen Saiteninstrumente, Holz- und Blechblasinstrumente, elektronische Tasteninstrumente, das ganze Zubehör dazu und unsere Instrumentenwerkstatt.

Wie ist das Verhältnis zur Hochschule für Musik? Gibt es Kontakte zu anderen Hochschulen oder ähnlichen Institutionen?
Die Hochschule für Musik ist für uns ein ganz wichtiger Partner. Als Dienstleister kümmern wir uns tagein tagaus um den Kartenvorverkauf aller Veranstaltungen und Konzerte im Jahr. Und natürlich stehen wir rund um die Uhr in Konatkt zu allen Lehrenden und Studenten.

Da geht es nicht unbedingt immer um den Verkauf oder den nächsten „Deal“. Vielmehr steht das Wissen, das Musiker-Netzwerk und die gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt. Zu allen anderen Musikhochschulen in Deutschland haben wir über unseren Notenversand natürlich auch Kontakt. Ich freue mich immer wieder, wenn große Pakete nach Berlin, Hamburg oder München aus dem Hause gehen.

Habt ihr Kontakt zur hiesigen Jazz- und Populärszene? Gibt es diese Szenen?
Hmm, ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich, obwohl ich selber aktiv Jazz-Musik mache, im beruflichen eher in der klassischen Szene unterwegs bin. Wir unterstützen natürlich auch die Pop- und Jazzmusik, veranstalten Workshops und Konzerte, unser Schwerpunkt liegt aber eher im klassischen Bereich. Nicht zu vergessen ist die Posaunenchor-Szene. Dort sind wir auch sehr aktiv, was sicherlich mit meiner Herkunft zu tun hat.

Welche Rolle spielt die Beratung. Hilfen zur Entscheidungsfindung - gerade bei kostspieligen Instrumenten - sind doch sicher wichtig?
Die Beratung ist für uns selbstverständlich das Wichtigste, obwohl ich sagen muss, dass mir das fast schon zu „abgedroschen“ und „floskellhaft“ klingt. Für uns steht einfach der Mensch im Mittelpunkt. Mit all seinen Fragen, Sorgen und Nöten (Noten ***grins***) im Bereich der Musik. Wir fragen viel, hören zu, geben Tipps und versuchen dann zu helfen. Das ist eigentlich alles. Klingt irgendwie einfach. Manchmal ist das Einfachste das Schwerste. Übrigens auch beim aktiven Musizieren!

Die Gestaltung der Schaufenster und auch der Fassade während des Umbaus ist sehr ungewöhnlich. Welche Rolle spielt diese Außendarstellung?
Jetzt kommt schon wieder so ein abgedroscher Satz wie: „Das Schaufenster ist die Visitenkarte eines Geschäfts“. Das wissen und sagen eigentlich alle Geschäftsleute, aber fast keiner machts! Wir gehören zu denen, die das Schaufenster nicht nur als Visitenkarte sehen, sonder meist noch wichtiger als: Postkarte, Plakat, Riesenbanner, Stoppschild, Hingucker oder lebende Einladungskarte. Das macht Riesenspaß!

Welche Rolle spielen Neue Medien, Social Networks, Onlinehandel in eurer täglichen Arbeit?
Huch, da muss ich schlucken, wenn mir bewußt wird, dass der Online-Handel mittlerweile fast 50% des Gesamtumsatzes und ca. 70% des Notenumsatzes ausmacht. Wir sind selbstverständlich bei den Social Networks sehr aktiv, beobachten und probieren viel, sind wandelbereit und flexibel. Denn eins ist sicher: Heutzutage geht alles viel viel schneller. Und da sollen uns natürlich nicht die Luft und Ideen ausgehen. Ich bin mir aber auch sicher, dass hinter unserem Erfolg im Online-Bereich die Menschen und das Persönliche stehen. Märkte sind Gespräche und nicht Computerdatenbanken! Das ist die große Herausforderung, beides zusammen zu bringen.

Wo möchtest du in fünf Jahren stehen?
Es gibt kein spezielles Ziel, nachdem ich in fünf Jahren trachte. Ich bin zufrieden. Das Geheimnis liegt vielmehr im Jetzt. Jeder Tag in den nächsten fünf Jahren ist für mich spannend. Ich möchte die Firma auf diesem Weg weiter begleiten und auch privat viel Musik machen!